Was darf ein Bild weglassen, damit es wirkt?
Ein Bild muss nicht alles erklären, um stark zu sein.
Im Gegenteil: Stärke entsteht häufig dort, wo etwas frei bleibt.
Stark wird ein Porträt oft nicht durch mehr Information,
sondern durch mehr Raum.
Raum für Projektion,
für Gefühl, für diese kleine innere Bewegung beim Betrachten.
Was es nicht zeigen muss, damit es stärker wird:
Keine Erklärung.
Status, Job, die ganze Story.
Ein gutes Porträt funktioniert ohne Gebrauchsanweisung.
Wenn der Mensch präsent ist, trägt er den Kontext.
Nicht die ganze Person.
Häufig reicht ein Blickt.
Ein Ausschnitt kann näher sein als die Totale,
weil er eine Auswahl trifft. Diese Auswahl gibt Kontur.
Nicht jedes Gefühl braucht eine Hauptrolle.
Ein leises Andeuten reicht.
Ein Blick, der etwas offen lässt.
Wie ein Satz, der nicht alles ausspricht und genau deshalb wirkt.
Nicht jedes Detail ist wichtig.
Zu viel Kontext,
zu viel Requisite,
zu viel ist zu viel.
Reduktion hat eine feine Handschrift.
Welche Details lasse ich bewusst weg?
Ich lasse weg, was ablenkt.
Alles, was lauter ist als der Mensch.
Ich lasse weg, was zu nah ist.
Momente, die nicht gewählt oder gewollt wurden,
Echtheit ja. Entblößung nein.
Nicht nötig ist, was zu glatt macht.
Dieses sterile Perfekt,
das niemandem wehtut
und genau deshalb auch niemanden berührt.
Kurz:
Am Ende ist das Weglassen kein Verlust.
Es bleibt immer eine Einladung:
